Vatorex – rettet die Bienen

Hallo Pascal, vielen Dank, dass Du Dir die Zeit für ein Interview mit uns nimmst ! Bitte stelle uns zu Beginn Dich und Dein Team bei Vatorex kurz vor:

Wir stammen aus einer richtigen Imkerfamilie, zusammen mit meinem Vater Willi (der seit über 50 Jahren Imker ist) und unserem Teckie Renato haben wir Vatorex gegründet. Vor kurzem haben wir einige Finanzierungsmittel erhalten und wir erweitern unser Team, wir haben jetzt 2 Praktikanten, einen Frontend-Entwickler und ein Blog-Autoren, weiter werden wir unser Team in den nächsten zwei Monaten im Bereich Marketing, Sales & Supply Chain ausbauen.

Vielleicht möchtest Du uns ganz zu Beginn unseres Interviews Euer Startup Vatorex kurz vorstellen ?

Wir bei Vatorex kümmern uns um die Honigbienen. Unsere Gründer stammen aus einer Imkerfamilie und da weltweit Honigbienenvölker sterben, wollten wir handeln. Eine der Hauptursachen für die Bienensterblichkeit ist die Varroa-Milbe. Wir bieten eine chemiefreie und automatisierte Behandlung gegen die Varroa mit Wärme und helfen Imker/innen, ihre Bienenstöcke auf intelligente Weise zu überwachen und zu verwalten

Welches Problem wollt Ihr mit Vatorex lösen ?

Die Varroa ist ein globales Problem für Honigbienen, Varroa wird derzeit meist mit aggressiven Säuren (Ameisensäure, Oxalsäure) behandelt, die auch die Bienen schädigen und zu Rückständen im Wachs und Honig führen können. Da Varroa-Milben immer widerstandsfähiger gegen die Chemikalien werden und diese immer häufiger eingesetzt werden müssen, ist diese Praxis nicht mehr lange tragbar. Deswegen sind wir gestartet mit unserer wärmebasierten Methode. Da Bienen eine höhere Hitzeverträglichkeit haben als Varroa-Milben, erwärmen wir die einzelnen Brutwaben. Die Milben beginnen bei 39°C zu sterben, während die Bienen bis zu 45°C vertragen können. Wenn wir die Brutwaben also periodisch jeweils für 3 Stunden auf 41°C erwärmen, sterben die Varroa-Milben und die Bienen überleben unversehrt.

Wie ist die Idee zu Vatorex entstanden ?

Willi Brunner, unser Imker und Biologe, hatte die Idee während eines Geschäftsfluges nach Peking. Während andere Passagiere «The Economist» lasen, blätterte er in der Schweizerischen Bienenzeitung. Dort stiess er auf einen wissenschaftlichen Artikel über die im Labor funktionierende Wärmebehandlung, und entwickelte das Konzept, diese Idee direkt in die dynamische Umgebung eines Bienenstocks zu übertragen.

Wie würdest Du Deiner Großmutter Vatorex erklären ?

  • Ohne Bienen, keine Pflanzen
  • Ohne Pflanzen, keine Nahrung
  • Ohne Nahrung, kein Leben

Deswegen helfen wir Imkerinnen und Imkern bei der Bekämpfung der Varroamilbe, der heutzutage grössten Bedrohung für Honigbienen, um die Vitalität und Produktivität der Bienen zu gewährleisten.

Hat sich Euer Konzept seit dem Start irgendwie verändert ?

Die Basis unseres Unternehmens ist die Varroa-Behandlung, die wahrscheinlich immer der Kern unseres Geschäfts sein wird. Unsere Perspektive hat sich jedoch im Laufe der Zeit verändert. Wir als Imker waren frustriert über die Verluste der Honigbienen durch diese Varroa-Milbe und zu Beginn lag unser Schwerpunkt auf der Bekämpfung von Varroa. Im Laufe der Zeit wurde uns jedoch klar, dass wir nicht in diesem Geschäft sind, um die Milbe zu bekämpfen, sondern um die Bienen zu retten. Das mag irrelevant klingen, aber für uns hat sich dadurch die Art und Weise, wie wir wirtschaften, verändert. Neben unserer Varroa-Behandlung haben wir eine App («Hive Manager») entwickelt, die es Imkern ermöglicht, den Überblick über das, was in ihren Bienenvölkern passiert, zu behalten und ihre Bienenvölker effizienter zu verwalten. Weiter haben wir die «Save the Bees»-Kampagne (savethebees.ch) gestartet. Hier geht der Erlös an die Bienen Forschung, gleichzeitig vermitteln wir Wissen über Bienen und ihre wichtige Rolle für unsere Gesellschaft. 

Wie funktioniert Euer Geschäftsmodell ?

Wir bieten Imker und Imkerinnen ein nachhaltige and effiziente Lösung gegen Varroa, so dass sie keine schädlichen chemischen Säuren mehr benutzen müssen.

Im Vergleich zu anderen Wärmebehandlungsmethoden (z.B. Wärmezufuhr von ausserhalb des Bienenstocks) befindet sich unsere vollautomatische und solarbetriebene Lösung direkt im Bienenvolk. Jede Brutwabe ist mit einem Heizdraht ausgestattet, einer «Bodenheizung für die Bienenbrut». Auf diese Weise können wir die Temperatur sehr präzise regeln. Diese Lösung verkaufen wir an Imkerinnen und Imker.

Darüber hinaus haben wir mit der «Hive Manager» App ein Software as a Service Modell und verkaufen zusätzliche Monitoring-Produkte für die Überwachung des Bienenstockes.

Wie genau hat sich Vatorex seit der Gründung entwickelt ?

Anfangs waren wir sehr Wissenschafts-getrieben. Das sind wir zwar immer noch, nur haben wir mittlerweile ein Geschäftsmodell um unsere Innovation entwickelt. Anfangs war das Projekt relativ klein und überschaubar, mittlerweile sind mit Investoren und Partnern verschiedenste Institutionen involviert, welche gemeinsam mit dem Gründerteam und den Mitarbeitenden an unsere Vision glauben.

Nun aber einmal Butter bei die Fische: Wie groß ist Euer Startup inzwischen ?

Momentan sind wir 5 Mitarbeitende, in den nächsten zwei Monaten werden wir unser Team auf 9 aufstocken. Wir haben über 100 Kunden in 9 verschiedenen Ländern, seit letztem Monat gehört ein professioneller Imker aus Neuseeland mit über 2000 Bienenvölkern auch zu unseren Kunden.

Blicke bitte einmal zurück: Was ist in den vergangenen Jahren so richtig schief gegangen ?

Entrepreneurship ist immer eine Berg- und Talfahrt. Unsere grösste Krise war 2018, als wir sehr knapp bei Kasse und deshalb existentiell gefährdet waren. Solche Zeiten sind enorm herausfordernd, man darf aber den Kopf nicht in den Sand stecken.

Was habt Ihr daraus gelernt ?

Ein Deal steht erst, wenn das Geld auf dem Konto ist. Zusagen und Versprechungen sind zwar nett, als Entrepreneur ist man aber auf harte Fakten und Umsetzung angewiesen.

Und wo habt Ihr bisher alles richtig gemacht ?

Ich denke, wir haben eine tolle Geschichte mit Vatorex – und erzählen diese auch gerne. Deshalb funktioniert die Medienarbeit relativ gut bei uns. Zusätzlich legen wir viel Wert auf gute Kundenbeziehungen. Viele unserer Kunden halten Vorträge oder erzählen Vereinsmitgliedern von unserer Lösung. Das ist für uns ein toller Marketing-Kanal.

Wie ist Euer Startup finanziert ?

Finanzierung ist ein fortlaufender Prozess, wir haben bereits mehrere Finanzierungsrunden hinter uns, da wir unser Geschäft stetig ausbauen wollen. Anfangs wurden wir vor allem von philantropischen Stiftungen und dem Bundesamt für Landwirtschaft unterstützt, mittlerweile gehören Investoren oder Stiftungen mit höheren Beträgen zu unseren Finanzgebern. Zusätzlich werden wir von der EU im Horizon 2020 Programm gefördert.

Was sind Eure Pläne und Ziele für die nächsten 12 Monate ?

Die Bienensterblichkeit ist ein globales Problem, deshalb wollen wir ein globales Unternehmen werden. Wir haben bereits Kunden in 9 Ländern und Pilotversuche nächstes Jahr in weiteren Märkten. Im nächsten Jahr werden wir noch internationaler wachsen und unsere Lieferkette weiter vereinfachen, um unsere Kunden noch effizienter bedienen zu können.

Aber das Wichtigste für uns ist, unsere Basis an zufriedenen Kunden zu vergrössern, da sie der Motor für eine nachhaltige Unternehmensentwicklung sind.

Vielen Dank für das Interview.

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